10 klassenmusizierenDie Musikklasse 8a des Osnabrücker Gymnasiums "In der Wüste" (GIdW) hat den ersten Preis beim 7. Bundeswettbewerb Klassenmusizieren gewonnen. Mit einem Video des selbst komponierten und arrangierten Stücks "Orange Juice" konnte die Klasse die Jury überzeugen.

Die Teilnahme am Wettbewerb funktioniert so: Die Ensembles schicken je ein Video ein, eine Fachjury bewertet die Leistungen und vergibt die Preise. Es gewinnt der Beitrag, der der Perfektion am nächsten kommt – oder? Nicht in diesem Fall, wie Kerstin Sicking erklärt, Musiklehrerin der 8a seit der 5. Klasse. "Unser Video klingt eigentlich wie Kraut und Rüben." Sie selbst habe ein eigenes, musikalisches Thema vorgegeben, die Schülerinnen und Schüler hatten dann eine Stunde Zeit, um eigene Ideen dazu zu entwickeln. Dann fügte die Gruppe die Teile zu einem Stück zusammen und nahm das Video auf. Fertig.

"Die Idee war, zu zeigen: Hier wurde nicht gefeilt. Uns ging es um das intuitive Musikmachen", sagt Kerstin Sicking. Also Kreativität statt Perfektion. Spannend sei es gewesen zu beobachten, wie die Klasse an einem Strang zog, um ganz verschiedene Versatzstücke zu verbinden. "Die einen machen auf die Akkorde eine süße Melodie, die anderen wollen rocken." Die Erfahrung, alle Ansprüche unter einen Hut zu bekommen, habe das Gemeinschaftsgefühl in der 31-köpfigen Klasse spürbar gestärkt.

Spontaner Ansatz gewürdigt

Violinistin Dalia Rehband verrät Details über die Gewinnerstrategie. Um der Jury ihren spontanen Ansatz nahe zu bringen, habe die 8a auf Transparenz gesetzt. "Wir haben im Video erklärt, was wir gemacht haben", sagt Dalia, "aber die Jury fand auch einfach das Stück gut". Den Titel "Orange Juice" (englisch für "Orangensaft") erarbeitete die Klasse im Deutschunterricht, ebenfalls unter Leitung von Frau Sicking. Der Name ist denn auch kein Zufallsprodukt, sondern hat Bezug zum GidW: "Die Schulfarben sind gelb und orange, das fanden wir witzig", so Dalia.

Am GIdW gibt es in jedem Jahrgang eine Musikklasse. Das heißt, Musik ist Hauptfach, die Schülerinnen und Schüler haben pro Woche zwei Stunden Musikunterricht und zwei Stunden Orchesterprobe. Dadurch, dass es keine Vorgaben für die gespielten Instrumente gibt, entstehen ungewöhnliche Besetzungen. Im Fall der 8a etwa mit mehreren Keyboards, Flügel, E-Gitarre, Schlagzeug, Flöten und mehr.

Eigene Arrangements sind Standard

Das verlangt zusätzliche Kreativität seitens der Lehrkräfte, wie Kerstin Sicking erklärt. "Wir Musiklehrer arrangieren die Stücke für die Musikklassen meist selbst, weil es für die wilden Besetzungen keine fertigen und passenden Arrangements gibt. So ergab sich eben auch die Idee, die Schüler mal an diesem Prozess zu beteiligen."

Beim Bundeswettbewerb gibt es neben dem Jurypreis auch einen Publikumspreis zu gewinnen. Den reißt sich der Beitrag mit den meisten Klicks bei Youtube unter den Nagel. "Den haben wir nicht gewonnen", sagt Schüler Noa Ueckmann, "aber dafür gibt es auch kein Geld, ist also egal." Was mit den hochverdienten 500 Euro Preisgeld passiert, ist zur Zeit noch offen. Die liegen vorläufig gut in der Klassenkasse.

Text und Foto: Markus Strothmann

Quelle: https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/1565609/gymnasium-in-der-wueste-bundeswettbewerb-klassenmusizieren

Weitere Artikel dazu: