NOZ 01Gymnasiasten knobeln mit Feuereifer an mathematischen Herausforderungen (NOZ, eigene Ergänzungen)

In der „langen Nacht der Mathematik“ knobeln Schüler ab der Jahrgangsstufe 6 zwischen 18 und 8 Uhr an komplexen Mathematikaufgaben. Dieses Jahr waren deutschlandweit 17.808 Schüler aus 340 Schulen dabei – darunter die Angelaschule, das Carolinum, das Ratsgymnasium und das Gymnasium „In der Wüste“.

Im Gymnasium „In der Wüste“ zeichnet seit 2005 Thorsten Fraas, Studiendirektor und Mathematiklehrer, für die Organisation der „langen Nacht“ verantwortlich. Neun Kollegen unterstützen ihn dabei. „Das Faszinierende ist, dass sich die Schüler wirklich die ganze Nacht mit Mathe beschäftigen“, sagt Fraas. „Häufig kommt gegen 2 Uhr ein Tief, aber alle sind immer noch ganz heiß auf die Aufgaben.“ Insgesamt drei Runden mit jeweils zehn Aufgaben müssen die Schüler meistern. Die ersten beiden Runden finden im Doppeljahrgang als Großgruppe statt, um sich für die dritte Runde zu qualifizieren. Hier treten dann Vierer-Teams gegeneinander an.

In mehreren Klassenräumen finden sich an diesem Abend Schülergruppen, die über den anspruchsvollen Rechenaufgaben brüten. Eine Gruppe, die wegen einer Preisverleihung gerade in Berlin weilt, ist per Skype zugeschaltet. Cola zum Wachbleiben, Chips und Gummibärchen als Snacks. Es gibt ein Büffet, zu dem alle Schüler beitragen, sowie Getränke zu einem Unkostenbeitrag. Ruhe- und Schlafpausen sind jederzeit erlaubt – Decken und Schlafsäcke liegen bereit.

Doch der zwölfjährige Levi versichert, dass sein Team vorhat, durchzuhalten. Gemeinsam mit Matthis (12), Dariana (13) und Laura (12) sitzt er gerade an einer Aufgabe, bei der sich der erforderliche Geistesblitz gerade einstellt. „Wir haben die Lösung!“, so Dariana und Laura aufgeregt. Das Vierer-Team besucht die Klasse 7b. Die beiden Jungs sind bereits das zweite Mal dabei, die Mädchen freuen sich, dass ihre Bewerbung um einen der begehrten Teilnehmerplätze in diesem Jahr erfolgreich war. Es gebe stets mehr interessierte Schüler als betreut werden können, erläutert Fraas.

NOZ 02Auch ehemalige Schüler sind engagiert. Zwei von ihnen sind Yannik Schmidt und Hendrik Purschke, die dieses Jahr ihr Abitur abgelegt haben. Da in anderen Bundesländern Schüler der 13. Jahrgangsstufe teilnehmen, sind die beiden „als Nachzügler ein letztes Mal dabei“, so Fraas – einen 13. Jahrgang gibt es in Niedersachsens Gymnasien wegen der (von der Politik inzwischen schon wieder zurückgedrehten) Reduzierung der Schulzeit auf zwölf Jahre derzeit noch nicht wieder. Was die beiden Absolventen an der Veranstaltung reizt? „Es war immer das Highlight des Jahres“, sagt Yannik Schmidt. Die lockere Atmosphäre sei etwas Besonderes. „Man darf alle Hilfsmittel benutzen, die man will“, berichtet Hendrik Purschke. Eigens für sein Team hat er ein Computerprogramm entwickelt, das beim Lösen der Aufgaben unterstützt. Die jüngeren Schwestern der beiden Abiturienten nehmen ebenfalls teil. Und eine weitere Ehemalige kommt jedes Jahr zur Betreuung der Rechenkünstler zurück in ihre frühere Schule. Inzwischen ist sie Mathematiklehrerin.

Am Ende der „langen Nacht“ können sich die Wüstenschüler über ein besonderes Ergebnis freuen: Alle Teams haben die dritte Runde erreicht. Den Bundesschnitt zugrunde gelegt, schafft das normalerweise nur ungefähr jeder dritte Teilnehmer.

Text: Sina-Christin Wilk
Fotos: Michael Gründel und GIdW

Quelle: https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/1594456/gymnasiasten-knobeln-mit-feuereifer-an-mathematischen-herausforderungen

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